Die Geschichte des Tastsinns

Die Geschichte des Tastsinns

14. November 2018 0 Von Karl Werner Schmitz

Platon kannte den Tastsinn gar nicht, er nannte den Sehsinn den göttlichen Sinn. Von ihm stammt auch der Begriff Theorie – Theo bedeutet Gott – Theorie bedeutet ich denke (sehe) das Göttliche. Theorie ist die geistige Welt.

Erst Aristoteles nannte den Tastsinn und stufte ihn als niederen Sinn an letzter Stelle ein. Gleichzeitig erklärte er aber auch, dass der Tastsinn bei allen Lebewesen, der Sinn ist, der am wenigsten zu entbehren ist. Das wurde über die Jahrhunderte als Wiederspruch aufgefasst. Die einen meinten es ist der 5. der niedere Sinn, also nicht so wichtig und die anderen meinten, es ist der Sinn auf den man nicht verzichten kann und auf den alle anderen Sinne basieren. Wie zum Bespiel Albertus Magnus und Thomas von Aquin. Das ist körperliche Welt, die praktische, also die haptische Welt.

Und so rutschte die Haptik in den letzten 2.400 Jahren immer wieder von Platz 5 auf Platz 1 und umgekehrt, also vom wichtigsten Sinn zum niederen, zum unwichtigsten und umgekehrt. Dann kam auch noch die Prüderie durch die Kirchen, weil der Tastsinn mit der Sexualität in Verbindung gebracht wurde und dadurch mit Wollust, Triebe, Völlerei und Begierden. Und wieder war der Tastsinn unten durch, ja sogar als Schande bezeichnet. Im alten Testament war der Tastsinn noch der wichtigste Sinn, weil das Wort HAND mit über 2000mal das häufigste genannte Substantiv war.

Erst in den letzten 30 Jahren bekommt der Tastsinn und damit die körperliche Welt wieder deutlichen Rückenwind. Als ich 1984 mit Haptischen Verkaufen angefangen habe, war das Wort Haptik kaum bekannt, außer man hat das Buch von Prof. Frederic Vester „Denken, Lernen und Vergessen“ gelesen, der den Stellenwert des Haptisches Lernens ganz klar über jede Lernform stellte.

2003 habe ich in meinem Buch „Haptisches Verkaufen“ geschrieben, dass die Tablet-PC immer stärker kommen werden, aber dass vermutlich durch iPhone und iPad eine solche TOUCH-Welle forciert wird hätte ich auch nicht zu denken gewagt. Heute ist alles mit einem touch, ob echt oder nur als Etikett, Hauptsache Touch, das verkauft sich gut.

Und trotzdem sind die Spezialisten immer wieder selbst verblüfft, wenn die Haptik dann tatsächlich mal eben so 50 bis 300% mehr Erfolg produziert.

Wie zum Beispiel:

eine Berührung das Trinkgeld um 50% erhöht
eine Berührung die Hilfsbereitschaft verdreifacht
ein schwereres Klemmbrett Studenten zu wesentlich besseren Noten animiert
ein Warmgetränk doppelt so viel Ja´s erzeugt, wie ein Kaltgetränk
wie die körperliche Nähe die Produktivität erhöht
wie Haptische Verkaufshilfen, den Umsatz flächendeckend von 30 bis 100% erhöhen
wie Berührung von Babys beruhigt und das Wachstum erhöht.

Den Menschen, die das noch nie selbst erlebt, dann zu vermitteln, dass gerade die Haptik der absolute Turbo in Marketing und Vertrieb ist, ist dann doch immer noch nicht ganz so leicht.

Die digitalisierte und mediale Welt von heute übt eine große Attraktivität aus und die Haptik, die reale praktische Welt, hat es da im Wettkampf um die Aufmerksamkeit immer noch nicht so einfach.

Es ist immer noch und immer wieder der Wettkampf der geistigen Welt mit der körperlichen Welt, es ist immer noch die Zwiespältigkeit von Aristoteles vom 5. Sinn der gleichzeitig nicht zu entbehren ist.

Ich möchte Ihnen ein einfaches Denkmodell als Beweis über den wirklichen Stellenwert der Haptik anbieten.

? Kennen Sie Menschen, die blind sind, also den Sehsinn komplett verloren haben?

? Kennen Sie Menschen, die taub sind, also den Hörsinn komplett verloren haben?

? Kennen Sie Menschen, die den Geruchsinn komplett verloren haben?

? Kennen Sie Menschen, die den Geschmacksinn komplett verloren haben?

? Kennen Sie Menschen, die den Tastsinn komplett verloren haben?

Nun Sie können alle 4 Sinne die Platon nannte komplett verlieren und sie können trotzdem leben, aber den Tastsinn kann kein Lebewesen ganz verlieren, NIE GANZ.

Wenn Sie jemals einen Menschen treffen, der keinen Tastsinn mehr hat, dann können Sie ganz sicher davon ausgehen, dass dieser Mensch TOT ist.

Fazit: Ohne Tastsinn kein Leben.

Das bedeutet dann auch, das der Tastsinn der Sinn ist der uns im wahrsten Sinne des Wortes wesentlich beeinflusst. Der Tastsinn ist der Basissinn, der Tastsinn konditioniert die Wahrnehmung der anderen Sinneskanäle mehr als jeder andere Sinn. Garantiert.